6. Mai 2011
Austropop is top, except in Austria
Stellen sie sich vor, sie sind ein international gefragter Topmediziner, die ganze Welt feiert sie - aber sie verdienen kein Geld und ihre eigene Familie weiß absolut nichts von ihrem Erfolg. So änlich ergeht es vielen Musikerinnen und Musikern aus Österreich. Viele unserer Musikerinnen und Musiker sind im Ausland höchst erfolgreich und hoch angesehen, jedoch verdienen sie aufgrund der katastrophalen Radio-Situation in Österreich wenig bis kein Geld und dem heimischen Publikum sind sie unbekannt. Auch wenn es immer wieder Beteuerungen seitens der Radiostationen gibt, doch eh genug heimische Musik zu bringen, hat sich an der dramatischen Situation seit Jahren nichts geändert. Österreichs Radiostationen ignorieren systematisch österreichische Bands und zerstören ungewollt und nachhaltig die heimische Musiklandschaft. Wenn das heimische Publikum keine österreichische Pop-Musik zu hören bekommt, wird es österreichische Pop-Musik auch nicht schätzen, kaufen, Konzerte besuchen. Österreich ist im Hinblick auf heimische Musik im Radio im europäischen Vergleich trauriges Schlusslicht. Weiters verzeichnen wir seit Jahren ein rapides Studiosterben, welches nicht nur auf das Phänomen Home-Studio abzuschieben ist.

Der ganz normale AKM-Wahnsinn
Sobald bei einer Veranstaltung Musik abgespielt wird (egal ob Live oder vom Band), sind von den Veranstaltern Abgaben an die AKM zu entrichten. Genauso verhält es sich mit Radiostationen. Die AKM hat die Aufgabe, dieses Geld an die Urheberinnen und Urheber, Komponistinnen und Komponisten sowie an die Interpretinnen und Interpreten zu verteilen. Leider fließen an die 80 % der österreichischen AKM-Gelder in die USA und nach Grossbritannien, Österreichs Musikerinnen und Musiker dürfen sich den lächerlichen Rest teilen. Warum? Weil nahezu keine heimische Musik On Air kommt, mehr Infos zur systematischen Diskriminierung heimischer Musik durch Österreichs Radios sind hier zu finden --> http://www.pekobaxant.at/stories/musik-aus-oesterreich-ist-musik-fuer-oesterreich/.
Dem österreichischen Radiopublikum wird Top-Austropop vorenthalten
Seinen Anfang hat dies alles genommen, als in den 90er Jahren Ö3 plötzlich aufgehört hat, Musik aus Österreich zu spielen. Die Begründung damals: Austropop á la Stefanie Werger oder Reinhard Fendrich ist nicht mehr jugendaffin. Das stimmt. Was den Damen und Herren jedoch bis heute anscheinend entgangen sein dürfte, es gibt auch jugendaffinen Austropop! Und was für einen! Ich könnte nun als Beweis hunderte Bands aus Österreich anführen, die musikalisch und künstlerisch auf hohem Level spielen, eingängige Hooklines produzieren, aufsehenerregende Bühnenshows liefern und interessante Charaktere in ihren Reihen haben. Viele davon sind im Ausland sehr erfolgreich. Wie zum Beispiel Lunaffair.
Lunaffair leiden so wie viele andere Bands unter der Radio-Diskriminierung
Viele meiner österreichischen Leserinnen und Leser werden die Band Lunaffair wohl nicht kennen, ganz im Gegensatz zum europäischen Publikum außerhalb Österreichs. Lunaffair sind anscheinend so interessant und attraktiv, daß sie bereits als Support-Act für ganz große Namen auf großen Festivals in Deutschland und Osteuropa gebucht wurden: so spielten sie als Vorgruppe vor „Whitesnake“, „Ray Wilson“ (Ex‐Genesis), „The Crüxshadows“ oder der US‐Rock‐Kultband „Filter“.Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum, das 2010 zusammen mit dem deutschen Label „Timezone‐Records“ veröffentlich wurde, konnten die Wiener bereits international auf sich aufmerksam machen. So erschien ihre erste Singleauskopplung „Fever“ europaweit auf einigen Compilations. Das dazugehörige Video wurde auch gleich vom österreichischen Musiksender gotv zusammen mit einem Feature in die Rotation aufgenommen. Auch im heimischen Extremsport fiel die Band auf und steuerte so gleich zwei ihrer Songs als Soundtrack für Filme wie „Made in Austria“ und „Get Naturized“ bei.
Aber die österreichischen Radios kennen Lunaffair nicht - und sie spielen sie auch nicht. Und so sind die Bandmitglieder weiterhin dazu gezwungen, Brotberufen nachzugehen und gleichzeitig ihre Musikkarriere zu vernachlässigen. Und wieder droht mit Lunaffair ein heimischer Pop-Stern zu verglühen, ohne dass die Welt es bemerkt. So ergeht es tausenden anderen heimischen Künstlerinnen und Künstlern, vor allem vielen Musikerinnen und Musikern.
Sollten die heimischen Radiostationen ihre brutale Diskriminierungspolitik gegen die heimische Musik nicht so schnell als möglich ändern, müssen sich die Verantwortlichen in einigen Jahren den Vorwurf gefallen lassen, das Musikland Österreich sehenden Auges in den Abgrund manövriert zu haben. Bis es soweit ist, gilt es weiterhin auf dieses Thema aufmerksam zu machen und durch Bewusstseinsbildung sicher zu stellen, daß das heimische (Radio-)Publikum kritischer zuhört. Weiter brauchen wir ein Musikstandortsicherungsgesetz auf der Höhe der Zeit, noch mehr und bessere Ausbildungseinrichtungen und eine Kultur des Zulassens und Ermöglichens. Die gesamte Gesellschaft ist verantwortlich und gefordert!




9 Kommentare
von Maya am 14. Mai | #
von pekobaxant am 26. Mai | #
von Isabella am 29. Mai | #
Also um ehrlich zu sein finde ich es sehr verwunderlich, dass Griechenland an erster Stelle steht. Meines Erachtens nach waren es immer die Franzosen , die den größten Anteil an heimischer Musik einspielen - naja man kann sich ja auch mal irren! Wäre aber naheliegend, da die Franzosen ja sehr auf ihre Sprachkultur achten :-)
MFG
Marcus
BikeParts
von Marcus am 17. August | #
von Florian am 19. August | #
AUSSERDEM: in Zeiten der Wirtschaftskrise kann der ORF OHNE KOSTEN Arbeitsplätze schaffen und sichern. UNSER ORF, kann UNSERE JOB sichern.
Tonstudios, Grafiker, Booking-Agenturen, Gastwirte, Handel, Insrumentenbauer, Musiker, Autohändler, Werkstätten, uvvm wären betroffen. UND die Wertschöpfung bleibt im Land.
Eine Entscheidung, große Wirkung.
von Christian am 19. August | #
ich wär für einen österreichweiten Aktionstag , wer will kann sich gerne bei Facebook die Seite "Mehr ÖsterreicherInnen in Österreichs Radios" anschauen, es sind immerhin über 3ooo Menschen dabei....
von Tom Hornek am 20. August | #
von Franz Joseph am 20. August | #
lunaffair ist zwar vielleicht nicht das idealbeispiel zum thema "austro pop", da wäre vielleicht harry ahamer passender oder parov stelar, der ja im ausland sehr erfolgreich ist und in österreich noch immer fast unbekannt ist - fällt jedoch wieder nicht unter die kategorie "austro pop", aber egal. und zum orf - nunja, die lassen uns österreicher ja nichtmal ihre jingles produzieren, die werden ja großteils in LA gemacht. und der antrag, eine quotenregelung einzuführen wurde im parlament abgelehnt - ja leider können wir österreichischen "jazz-pop-rock-musiker" uns keine von geld geschmierte lobby aufbauen ... aber nicht aufgeben lautet die devise! und letztendlich: im ausland im radio gespielt werden ist ja eigentlich eh viel leiwander!
von Andreas am 22. August | #