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29. Februar 2012

An die Jugend: haltet euch fern von Politik!

orfPolitisches Engagenemt junger Menschen ist ein positiver Beitrag zur Demokratie, junge Menschen beleben mit ihren frischen, unkonventionellen und zeitgemäßen Ideen die politische Landschaft, ihre Forderungen brechen verkrustete Strukturen auf und ihre bloße Anwesenheit animiert ältere Kolleginnen und Kollegen neue Wege zu gehen. Junge Menschen sind ein großer Gewinn für Parteien, Jugendorganisationen, Gewerkschaften, Kammern und andere Interessensvertretungen, die Zivilgesellschaft, Bezirks-, Landes und Bundesparlamente und sogar für Regierungen. Junge Politikerinnen und Politiker fungieren als Bindeglied zwischen Gestern und Morgen.

Es ist jedoch leider so, daß nicht gerade die Massen junger Menschen in die Politik strömen, tatsächlich ist es eine immer größere Herausforderung, sie für politisches Engagement zu begeistern. Auch wenn viele interessiert und perspektivische Politikerinnen und Politiker wären erscheint ihnen die Politik zu behäbig, konservativ, unzeitgemäßt, jugendfeindlich, wirkungslos.

Umso mehr muss es uns alle freuen, wenn sich trotz all dieser Gegenargumente einige doch dazu entscheiden, sich politisch zu engagieren. Der überwiegende Großteil dieser jungen Politikerinnen und Politiker leistet tolle Arbeit, und zwar ehrenamtlich neben ihrer Lehre, Schule, Uni oder Job.

Warum tun es sich diese Wenigen an, obwohl die Politik nicht unbedingt als sozialer Ort des Eskapismus gilt? Einige wollen Karriere machen, die meisten jedoch wollen einen Beitrag zur Gesundung der Welt leisten. Dafür gebührt Respekt, Dank und Anerkennung - unabhängig von Ideologie und Partei!

Nun wird es jedoch noch schwieriger, junge Menschen für politisches Engagement zu begeistern. Die Gefahr einer nachhaltigen Punzierung als "(ehemals) politisch aktive Person" ist angesichts einer aktuellen Postenbesetzungs-Posse im öffentlich-rechtlichen ORF einfach zu groß. So muss ich im heutigen Standard auf Seite 22 lesen, wie es ehemals politisch aktiven Personen ergeht.

So bewarb sich eine junge TV-Redakteurin um einen Posten bei der ZIB-Redaktion. Sie hat in den letzten Jahren Erfahrung in der PULS4 Nachrichtenredaktion sammeln können. Ihre Beiträge sind nachweislich hoch qualitativ, journalistisch einwandfrei und politisch ausgewogen. Die besagte Redakteurin pflegt eine deutlich wahrnehmbare Äquidistanz zu allen politischen Bewegungen.

Sie wird den ORF-Job dennoch nicht bekommen, obwohl es keinen einzigen objektiv-fachlichen Grund gegen ihre Bestellung gibt. Der einzige "Fehler" dieser Redakteurin war es nämlich, daß sie sich in ihrer Schulzeit als junges Mädchen schulpolitisch engagiert hat. Warum das so schlimm sein soll? Weil sie dies nicht als Einzelperson getan hat sondern sich organisiert hat, was bekanntlich nicht ganz unpraktisch ist, wenn man für Ideale einritt. Sie schloss sich der AKS (Aktion kritischer Schülerinnen und Schüler) an, die sich über jahrelangen Kampf sogar einen Sitz im SPÖ-Bundesvorstand ergattert hat, um im Interesse der österreichischen Schülerinnen und Schüler noch effizienter wirken zu können. Später engagierte sich die junge Dame auch in der SPÖ und kandidierte (an aussichtsloser Stelle) zum Gemeinderat in Wiener Neustadt.

Achtung: Schulpolitik gefährdet deine spätere Karriere!

ORF_Kim_standardartikelEs ist ein verheerendes Signal an die Jugend Österreichs. Der ORF teilt mit dieser Verhinderung der Jugend mit: wenn ihr mal was werden wollt, dann haltet euch ja fern von Politik. Das wird ein nachhaltiges ideelles Austrocknen und eine Überalterung der politischen Landschaft zur Folge haben. Eine demokratiepolitische Katastrophe!
Oft wird Politikerinnen und Politikern von Medienmenschen die Frage gestellt, warum es denn so wenige junge Menschen in die Politik verschlägt. Diese Frage wäre ab heute eine Verhöhnung der politischen Intelligenz und darüberhinaus verlogen und unredlich.

Ich möchte an dieser Stelle bewußt nicht darauf eingehen, daß einige ZIB-Redakteurinnen und Redakteure genauso wie die verhinderte Redakteurin parteipolitische Vergangenheiten aufweisen, genausowenig möchte ich familiäre Naheverhältnisse zu Politikerinnen und Politikern thematisieren. Ich denke nämlich, daß weder Dies noch Das eine Rolle spielen darf. Das einzige Kriterium ist doch Qualität der journalistischen Tätigkeit! Und die ist in der ZIB-Redaktion denkbar hoch - unabhängig von parteipolitischem Engagement der dort Verantwortlichen in ihrer Jugend und unabhängig von ihren familiären Beziehungen.

Dennoch: die Gesellschaft braucht junge Menschen - immer und überall!

Ich möchte dennoch einen Apell an die jungen Menschen richten: lasst euch bitte nicht davon abhalten, neue Ideen zu entwickeln und für neue Ideen zu kämpfen. Die Gesellschaft braucht euch, in allen Lebensfeldern, auf allen Ebenen, auch und vor allem in der Politik. Ohne euch hat die Demokratie ein Ablaufdatum, euer wacher Geist ist der Motor kommender Zeiten.
Der ORF hat mit diesem Signal zwar einen großen Fehler gemacht, aber der ORF ist ein lebendiger Organismus, der lernen wird. Hoffentlich wird das aktuelle ORF-Beispiel keine Schule machen.

Ich wünsche der jungen Frau jedenfalls alles Gute!

PS: Im Übrigen bin ich der Meinung, der ORF muss in absolute Freiheit von kapitalistischen und staatlichen Einflüssen entlassen werden. Das verlangt das Ideal der Freiheit des Geisteslebens.

3 Kommentare

"...ihre bloße Anwesenheit animiert ältere Kolleginnen und Kollegen neue Wege zu gehen" - Wie schön wäre es wenn die bloße Anwesenheit die älteren Kollegen dazu inspirieren würde Ihr Versagen der letzten Jahrzehnte einzugestehen und schleunigst die Politik zu verlassen. Wären wieder weniger Probleme und es käme vielleicht endlich mal zu schnelleren und vor allem besseren Lösungen. Ganz ohne die ständigen Kompromissorgien...
Tja, SSKM lieber Peko, ich hatte es als kleines Licht beim
ORF mit SJ Vergangenheit genauso schwer...das kommt vom Postenschachern ganz oben, da muss man sich nicht wundern. Kannst gleich dem Niko P. Und dem GF ausrichten: Hausgemachte Kacke.
Soso, ein SPÖ Engagement ist für eine Karriere im ORF also hinderlich. Ja eh, schon klar. Sonst alles fit im Oberstübchen?

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