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22. Juni 2012

Fotografengewerbe wird auf die Höhe der Zeit gehoben!

Die komplementäre Kooperation zwischen repräsentativ-parlamentarischer Demokratie und der Zivilgesellschaft funktioniert: nach vielen konstruktiven Gesprächen ist es endlich soweit, es kommt zu einer Änderung des Fotografengewerbes auf der Höhe der Zeit. Darauf haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Initiative Freie Fotografie und der Präsident des Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Österreich Christoph Matznetter mit der ÖVP und der Fotografeninnung geeinigt. Wir gratulieren zu diesem tollen Erfolg, vor allem den über 10.000 Menschen, die die Öffentlichkeit auf die Notwendigkeit einer Änderung der Gewerbeordnung aufmerksam gemacht haben. Erneut bewahrheitet sich ein Wienerisches Sprichwort: "Durchs Reden kommen ´d Leut´zsamm!"

Hier die Aussendung der Initiative Freie Fotografie zur Info:

freiefotografie.at: Arbeitsgruppe Freie Fotografie begrüßt Liberalisierung des Fotografengewerbes

Wien (OTS) - Am 21.6.2012 wurden die Verhandlungen über die von Wirtschaftsminister Mitterlehner vorgelegten Gesetzesnovelle zur Freigabe des Berufsfotografengewerbes abgeschlossen. Die Verhandlungen mit Vertretern der Wirtschaftskammer, des Wirtschaftsausschusses und der Fotografeninnung, die auf Druck der Unabhängigen Arbeitsgruppe für Freie Fotografie aufgenommen werden mussten, haben zur nahezu vollständigen Freigabe des Berufsfotografengewerbes in Österreich geführt.

Alle bürokratischen Hürden, nach denen bisher weder internationale Fachausbildung noch langjährige Tätigkeit als gewerblicher Pressefotograf anerkannt wurden, sind ersatzlos gefallen, so wie es die Arbeitsgruppe Freie Fotografie schon länger forderte. Auch derzeit tätige Pressefotografen werden demnach bei Inkrafttreten des Gesetzes nach bis dahin zumindest 3-jähriger Tätigkeit als Selbstständige sofort berechtigt sein, den Gewerbeschein des Berufsfotografen zu lösen und damit ohne jegliche Behinderung das Gewerbe auszuüben.

Auch Neueinsteiger ohne anerkannte Ausbildung (Autodidakte) profitieren von der neuen Regelung massiv, dürfen Sie doch von Anfang an mit dem Gewerbeschein "Pressefotograf und Fotodesigner" (Arbeitstitel) nicht nur wie bisher für Medienkunden sondern zusätzlich auch für Businesskunden (B2B) arbeiten.

Als Kompromiss, der nicht völlig den Vorstellungen der Arbeitsgruppe Freie Fotografie entspricht, wurde einzig für diese kleine Gruppe Nichtausgebildeter vereinbart, dass sie erst nach 3 jähriger Tätigkeit als "Pressefotograf/Fotodesigner" das Gewerbe des
Berufsfotografen anmelden und damit auch das Endkonsumentengeschäft (B2C, also z.B. Passbilder, Hochzeiten) ausüben dürfen.

Dies ist ein sehr großer Schritt in die Richtung der freien Berufsausübung, wie es in vielen Ländern der Welt üblich ist. Die Arbeitsgruppe Freie Fotografie dankt diesen Erfolg vor allem den mehr als 10.000 Unterschriften von Unterstützern auf http://freiefotografie.at und sieht dies auch als Verpflichtung und größtmögliche Motivation, um die Arbeit weiterzuführen und die österreichische Fotografie europatauglich zu machen.

Arbeitsgruppe Freie Fotografie
Fabriksgasse 19
7442 Lockenhaus
www.freiefotografie.at

8 Kommentare

Die erreichten Verbesserungen werden zwar dazu führen, dass der Personenkreis vergrößert wird, der hauptberuflich von der Fotografie leben darf. Nebenberuflich tätigen Fotografen und Amateuren, die im Rahmen der Liebhaberei hier und da gegen Geld fotografieren wollen, werden aber wohl auch in Zukunft die Türen verschlossen bleiben, ebenso voraussichtlich den (schlecht organisierten) Künstlern.
99% der Östereicherinnen und Österreicher profitieren daher leider wieder nicht von den angedachten Regelungen, weshalb diese erst bestenfalls der erste Schritt auf dem Weg zur Freigabe darstellen. Schade!
Hallo Herr Zdrachal, ich denke sie beurteilen die Einigung als zu pessimistisch. Ich denke, daß mindestens 80% der berechtigten Forderungen der Initiative "Freie Fotografie" erreicht werden konnten. Aber sie haben Recht, daß es sich um einen wichtigen Schritt handelt, weitere werden in Zukunft noch folgen müssen.
Ich bin masslos enttäuscht, da im Grunde für Künstler die sich Ihr Basisbrot über Hochzeiten, Bälle, Familienfeiern, etc., erarbeiten könnten, erneut verhindert wurde. Dies als Erfolg hinzustellen finde ich nach einer solch groß herangetragenen Initative und nach europäischen und weltweitem Standard, als minimalen Schritt vorwärts.

Im Endeffekt wird der Verein der Breufsfotografen sich erneut auf die Lauer legen und kleine Fotografen wenn nur möglich Klagen und so versuchen sich Konkurrenz vom Hals zu schaffen.

Meines Erachtens sollte das Fotografengewerbe vollkommen freigegeben werden
Lieber Herr Baxant, die Initiative "Freie Fotografie" hatte auch ihren Fokus klar auf die Gleichstellung der Pressefotografen gerichtet. Insoferne mag es sogar stimmen, dass 80% deren "Forderungen" erfüllt wurden. Dennoch betreffen die Verbesserungen nur ca. 1.500 Personen unmittelbar - die altgedienten Pressefotografen. Menschen wie Sie und ich, die nur ein einziges Mal im Leben den Wunsch verspüren mögen, eine Hausfrau in Spitzenwäsche für Geld fotografieren zu wollen, müssten zunächst einen Gewerbeschein als Fotodesigner lösen, drei Jahre auf die Umwandlung in den Berufsfotografenschein warten und bis dahin ca. 8.000 Euro an SV-Beiträgen berappen, bevor das dann tatsächlich erlaubt wäre. Ich präzisiere also: 99.97% der ÖsterreicherInnen bleiben weiterhin von Schikanen betroffen.
Woher kommen diese ca. € 8.000.- Viktor? Meines Wissen hängen die SV-Beiträge am Einkommensteuerbescheid, also kann man das überhaupt nicht vorhersagen wieviel zu bezahlen sind.
Good Practice Vielen Dank für Ihre Informationen.
Na, Gott sei Dank, Viktor! Stell dir mal vor, jeder schösse einfach so drauf los, was da rauskäme: gar nichts. Bin Grafiker und würde mich niemals mit einem guten Fotografen messen wollen, wobei er sich nicht mit mir in Ps bzw. Ai oder auch nicht in ID messen sollte. Bei den ersten beiden überhaupt kaum jemand und beim Bedienen des InDesigns würde ich den Zeitungsfritzen (reine Layouter!) den Vorzug geben. In Sache Photographie passe ich und bleibe von den Foto-Profis abhängig. Vermessen, wer glaubt das alles zu beherrschen, weswegen ich gegen den freien Zulauf jedes Dilettanten bin. Aber gut, ist halt so gekommen.
grüßen Daumen nach oben

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