19. April 2010
Herbert Kickl: Blauer Mastermind, Drama-Queen und UFO-Philosoph
Herbert Kickl war wohl schon in seiner Jugend ein Fan von unerklärlichen Phänomenen und Verschwörungstheorien. Heute ist er Generalsekretär der FPÖ, der größten österreichischen Rechtspartei und er lässt keine Gelegenheit aus, um sich als die schrillste Drama-Queen der heimischen Innenpolitik in Szene zu setzen."Jede Partei braucht einen denkenden und einen handelnden Teil"
Ehemalige Mitarbeiter bezeichnen Kickl als introvertierten und unsicheren Charakter, der in Diskussionen nur allzu schnell die Beherrschung verliert und sich mit untergriffigen Attacken Respekt bei seinen Mitarbeitern verschafft. Was wohl einen Menschen antreibt, der hinter Sprüchen wie „Daham statt Islam“ und „Soziale Sicherheit für unsere Leut´“ steckt?
„Jede Partei braucht einen denkenden und einen handelnden Teil “, wird Kickl zitiert und tatsächlich wirkt es so, als habe Kickl mit Strache die passende Handpuppe gefunden, die seine Wünsche ohne lästiges Nachfragen sofort umsetzt. Mit Jörg Haider konnte sich Kickl lange nicht so austoben wie mit Strache. Der gescheiterte Zahntechniker Strache scheint in Kickl wiederum den Konterpart gefunden zu haben, den er in seiner Jugend gebraucht hätte. Kickl hätte ihm damals davon abgeraten, bei Wehrsportübungen durch den braunen Dreck zu robben - sowas hat den FPÖ-Mastermind seit jeher nur wenig interessiert. Vielmehr war es die Welt der Philosophie, in der sich der ewige Student Kickl wiedergefunden hat. Ohne Kickl´s Anweisungen bringt seine Handpuppe HC-Man keinen klaren Gedanken hervor, Kickl gefällt sich in der Rolle des blauen Masterminds. Er spielt sich mit seiner Handpuppe HC-Man - und HC-Man folgt und folgt und folgt und folgt...
Sein Unverständnis für die Lebenswelten und Bedürfnisse junger Menschen hat ihn heuer zu einem seiner größten Fehler verleitet:
Kickl ließ seinen HC-Man rappen ohne die Essenz des HipHop zu verstehen
Kickl ließ seine Handpuppe HC-Man rappen, somit begab er sich naiv und nichtsahnend in die Welt des HipHop. Und das lassen sich wahre HipHop Artists nicht bieten. Nach dem Motto "HC-Rap ist eine Beleidigung für die HipHop Kultur" entstanden unzählige Diss-Raps und Anti-Strache Events, die Kickl jahrelang systematisch ignorierte. Klar - jede Aufmerksamkeit auf diese immer breiter werdende Jugendbewegung hätte sich marketingtechnisch negativ auf den HC-Man ausgewirkt. Aber als eine Tageszeitung das zwei Jahre alte Video eines 14-jährigen zum Thema machte, konnte Kickl nicht mehr so tun, als ob es keine breite Anti-Strache Jugendbewegung gäbe und er ging in die Offensive. Er drohte dem jungen Künstler mit Klagen und Staatsanwaltschaft und die Menschen schüttelten nur mehr den Kopf. Wenn die HC-Puppe aus marketingtechnischen Überlegungen vermeintlichen HipHop macht, darf sie sich nicht wundern, wenn der HipHop sich das nicht bieten läßt. Wenn ich in den Boxring steige, darf ich mich doch auch nicht wundern, wenn ich ein paar abbekomme.
Kickl pusht BIG DNC auf über 90.000 Views
Die Konfrontation mit der Jugendkultur wirkte sich anscheinend auf Kickl´s Ausnahmezustand dermaßen lähmend aus, dass er nicht anders konnte als wilde Verschwörungstheorien über die Entstehung des Diss-Videos zu entwickeln. Mit Erfolg: Zwar übernahm kein einziger Journalist Kickls krude Verschwörungstheorien rund um UFOs, Internetfirmen und angebliche Hasswerber – aber die Aufrufe des HipHop Videos erreichten auf YouTube innerhalb von einer Woche über 90.000 Views.
Die Pleiten-Pech-und-Pannenserie des Herbert Kickl
Kickl hat sich in der jüngsten Vergangenheit einige folgenschwere Patzer geleistet. So geht es einem, wenn er mit seiner Puppe widerspruchslos alles machen darf, was ihm so in den Sinn kommt:
- Kickl nervt den ORF so lange, bis sich der Kaiser herabläßt und HC-Man eine Audienz gewährt - der HC-Man wird von Kickl katastrophal schlecht gebrieft, kann ab der ersten Minute intellektuell nicht mithalten und ist seitdem DIE Lachnummer in den Schulklassen;
- HC-Man und die Kärntner Chaos Partie sorgen seit ihrer Wiedervereinigung für Gelächter, die verspekulierten Steuermillionen der Kärntner Hypo für blankes Entsetzen;
- Frau Barbara Rosenkranz zerstört als FP-Präsidentschaftskandidatin nicht nur das über Jahre erworbene Jugendimage der FPÖ, sie gilt auch bis in die blaue Stammwählerschaft hinein als Österreich´s Schande. Darüberhinaus müssen Kickl, HC-Man und Frau Rosenkranz über 35% schaffen, das ist das selbsterklärte Ziel der HC-Puppe (als er diese Aussage tätigte und Rosenkranz somit schwerst unter Druck setzte, mußte Kickl wohl auf Urlaub gewesen sein);
- HC-Man inszeniert vor laufender ORF-Kamera einen vermeintlichen TV-Skandal, kündigt einen Lügendetektor-Test an und sagt dann doch ab. HC-Man hört Stimmen;
- nebenbei droht HC-Man zwei rechten - sozial benachteiligten - Jugendlichen mit Klagen und Anwälten und läßt sie im Stich, sobald es ihm opportun ist - mit dem Effekt, daß nun auch das Image als Retter der Entrechteten irreversibel zerstört ist;
- und vor kurzem eben die vollkommen falsche Reaktion auf Angriffe aus der jungen HipHop Szene (BIG DNC´s Diss Video), Kickl läßt seinen HC-Man mit der Jugend nur mehr über Anwälte kommunizieren.
Demoralisiert von all diesen Fehlern und strategischen Fehleinschätzungen, die sich etwa in der Wiener Wirtschaftskammerwahl niedergeschlagen haben und davon, dass sich niemand für seine UFO-Theorien interessiert, kann sich Kickl nun endlich wieder seinem Lieblingshobby – der germanischen Sagenwelt – widmen und weiter UFOs am Nordpol suchen. Ich wünsche Herrn Kickl viel Erfolg!
Bildquelle: http://www.datum.at/0908/stories/5152952




1 Kommentar
International haben wir hier einen Stempel wegen diesen Kärntner Kasperl auferlegt bekommen, dass Ausländerhass uns einziges Thema ist!
Dabei gäbe es in Kärnten auch noch Schulden, Ortstafelkonflikte, Korruption, NAZI-Wahn und ähnliches!
von Orsch am 04. Juli | #