6. Juli 2011
NSDAP-Presse-Aussendung mit 66 Jahren Verspätung in der AULA aufgetaucht?
In der aktuellen Ausgabe des Freiheitlichen Magazins DIE AULA* offenbart sich anscheinend der wahre Geist von Kickl und seiner Marionette Strache: DIE AULA trieft vor abgrundtiefem Hass gegenüber KZ-Überlebenden, die Würde der NS-Opfer wird mit Füssen getreten, der Holocaust wird relativiert und verharmlost und die Zeitzeugin Ruth Klüger wird der Lüge bezichtigt. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl hat ein Machwerk zu verantworten, das einer um 66 Jahre verspäteten Presse-Aussendung der NSDAP gleicht – in Wortwahl, Antisemitismus und Menschenhass.Es grenzt an Zynismus, wenn DIE AULA am Cover fragt, ob denn die FPÖ „Fit fürs Regieren“ sei? Immerhin habe man ein neues Parteiprogramm beschlossen, vermeintlich herzeigbare Persönlichkeiten für die Regierung präsentiert und die Umfragen sind derzeit auch nicht schlecht. Dies mag in den eindimensionalen Gedankenwelten der FPÖ-Verantwortlichen reichen, um staatstragend zu wirken...
Seite 13 – Josef Goebbels wäre stolz gewesen
Aber dann kommt die Seite 13. Wir sind zwar gewohnt, dass FPÖ-Vertreterinnen und FPÖ-Vertreter den sogenannten Verfassungsbogen regelmäßig weit überspannen; wir wissen auch, dass Heinz-Christian Strache ein inniges Naheverhältnis zum Nationalsozialismus entwickelt hat; wir als gelernte Österreicherinnen und Österreicher haben uns auch schon daran gewöhnt, blaue Rülpser zu überhören und sich die moralische Nase zuzuhalten und es ist auch offiziell, dass die Dichte an verurteilten Kriminellen in der FPÖ höher ist als in der Gesamtbevölkerung. Die Seite 13 der AULA jedoch stellt eine neue Qualität des blanken Antisemitismus dar, Josef Goebbels würde zufrieden lächeln.
Es ist mir schon lange nicht passiert, dass ich nach der Lektüre eines Textes tagelang verstummt bin. Ich konnte es nicht fassen, mit wie viel Hass und Boshaftigkeit hier in der offiziellen Zeitschrift einer österreichischen Parlamentspartei gegenüber Menschen gehetzt wird, die den Holocaust überlebt haben. So nennt der Autor des Artikels „Lügt Klüger?“ KZ-Überlebende im gleichen Atemzug mit einer „Landplage“ oder "Kriminellen" (unter den laut Artikel "überwiegend kriminellen Elementen" des KZ-Mauthausen** befanden sich etwa Leopold Figl, späterer österreichischer Bundeskanzler und ÖVP-Mitbegründer; Heinrich Maier, österreichischer römisch-katholischer Priester, Pädagoge, Philosoph und Widerstandskämpfer; Viktor Schauberger, österreichischer Förster und Erfinder; Simon Wiesenthal, österreichischer Architekt, Publizist und Schriftsteller); die AULA fragt allen Ernstes, was denn an der KZ-Befreiung durch die alliierten Truppen denn zu feiern sei. Die FPÖ fragt im Originalzitat: „Ist die Befreiung von Gefangenen, die sich im Handumdrehen als Landplage entpuppen ein Grund zum Feiern?“Dann zitiert der Autor Ruth Klügers ergreifendes „Kamingedicht“, in dem der schreckliche KZ-Alltag lyrisch aufgearbeitet wird und macht sich im nächsten Absatz lustig, der „Backfisch“ (gemeint ist wohl die junge KZ-Insassin Ruth Klüger) könne doch „zum Stichtag“ gar nicht gewusst haben, dass „5 Millionen verbrannt worden sind.“
Damit nicht genug: es sei doch reine „Phantasie“, wenn Ruth Klüger über „Schall und Rauch“ berichte, verbrenne doch menschliches Fleisch auf Koks geruchsneutral.
Anne Frank sei auch nicht durch das NS-Regime ermordet worden, sie sei Typhus zum Opfer gefallen.
Ich möchte nicht weiter auf den schrecklichen Text eingehen und stelle ihn allen Mutigen untenstehend zur Verfügung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits wegen Wiederbetätigung Nationalsozialistischer Propaganda.
FPÖ – Fit fürs Regieren? Nicht in 1000 Jahren.
Dieser Artikel macht eines ganz klar: Die FPÖ ist in 1000 Jahren nicht regierungstauglich. Ich appelliere hiermit an die Verantwortlichen der ÖVP, an den bürgerlichen Anstand der ÖVP, auch nur jede theoretisch-strategische Option mit der FPÖ auszuschließen. Die politische Moral gebietet es allen verantwortungsvollen Demokratinnen und Demokraten, uns geschichtsbewussten Österreicherinnen und Österreichern, gläubigen Christinnen und Christen: Wir haben jedes demokratische Mittel zu ergreifen, um unsere Heimat vor dem Geist des Faschismus zu schützen.Wir werden niemals vergessen, aktive Erinnerung ist demokratische Pflicht!
Nein Herr Kickl, nein Strache! Wir haben nicht vergessen, wir werden die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen. Nicht die Bilder verhungerter Menschen in Massengräbern, nicht die Hilfeschreie der Kinder, die von ihren Eltern getrennt wurden um gleich danach industriell ermordet zu werden. Wir vergessen auch nicht die monatelange Todesangst der Anne Frank, die stellvertretend für Tausende anderer Opfer bewiesen hat, dass man auch in einer Zeit diabolischer Unmenschlichkeit, Mensch bleiben kann.
Und wir vergessen auch nicht die menschenverachtende NS-Propaganda mit der alles begonnen hat und die uns heute 66 Jahre später, erneut in Form des FPÖ-Magazins AULA begegnet.
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* Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Aula-Verlag Ges. m. b. H.; Schriftleitung: Prim. Dr. Otto Scrinzi (bis Ende 2003), Mag. Martin Pfeiffer (ab Anfang 2004); Medieninhaber: Freiheitlicher Akademikerverband Steiermark (48,4 %), Freiheitlicher Akademikerverband Wien - Niederösterreich - Burgenland (25 %), Freiheitlicher Akademikerverband Oberösterreich (8,3 %), Freiheitlicher Akademikerverband Salzburg (8,3 %), Freiheitlicher Akademikerverband Tirol - Vorarlberg (5 %), Freiheitlicher Akademikerverband Kärnten - Osttirol (5 %).
**Das Konzentrationslager Mauthausen: Im "Mordlager" Mauthausen wurde von der SS auf vielfältige Weise gemordet: Die Häftlinge wurden erschlagen, erhängt, erschossen, kranke Häftlinge ließ man erfrieren, verhungern oder tötete sie durch Herzinjektionen oder Giftgas. Ab dem Jahr 1943 kam es auf Grund der verstärkten Rüstungsbemühungen und später der Verlagerung der Rüstungsindustrie in unterirdische Anlagen zu einer Funktionserweiterung des Konzentrationslagers. Die Mehrzahl der Häftlinge wurde von nun an zur Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben herangezogen. So entstanden neben dem Hauptlager in Mauthausen und dem Lager in Gusen zahlreiche, über ganz Österreich verteilte Außenlager. Fast 200.000 Menschen aus fast allen europäischen und auch außereuropäischen Ländern wurden entweder auf Grund ihrer politischen Tätigkeit, ihrer "kriminellen Vorstrafen", ihrer religiösen Überzeugung, ihrer Homosexualität, aus "rassischen" Gründen, als Kriegsgefangene oder Transgender nach Mauthausen deportiert. Die Hälfte von ihnen wurde in Mauthausen ermordet.



Im Zuge des Wahlkampfs zu den bevorstehenden Wiener Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahlen startet der Herausgeber des österreichweit auflagenstärksten MigrantInnen-Magazins BUM Dino Šoše die „BUM Aktion gegen Rechts“. Mittels einer Print- (BUM Ausgaben 09/10, Flyer und Plakate)und Online-Aktion (Facebook), möchte Šoše auf die Gefahr rechtspopulistischer Propaganda seitens der FPÖ aufmerksam machen. 





